Hund spielt mit Gartenschlauch im Sommer.

Schön warm hier: Wie Parasiten vom Klimawandel profitieren

Endlich Sommer – doch nicht nur wir Menschen und unsere Hunde freuen uns: auch viele Parasiten lieben es warm. Und die Sommer in Deutschland werden durch den Klimawandel zunehmend heißer. Wissenschaftler warnen deshalb seit Jahren vor der verstärkten Verbreitung von Parasiten.

Ideale Bedingungen für Parasiten

Die meisten Parasiten sind wechselwarm. Deshalb versprechen wärmere Umgebungen oft auch bessere Lebensbedingungen: Orte, an denen es den Schädlingen bisher zu kalt war, bieten jetzt gute Überlebenschancen – etwa weiter im Norden Europas oder auf höheren Bergen. Außerdem bleiben sie teils ganzjährig aktiv, wenn der Winter mild ausfällt.2 Gleichzeitig vermehren sich viele Insekten in warmer Umgebung schneller, wie Studien belegen: Sie schlüpfen früher, wachsen schneller und fressen mehr, weil ihr Stoffwechsel angekurbelt wird.3

Diese Effekte sieht man auch an der häufigsten Zeckenart Deutschlands, Ixodes ricinus. Studien zeigen, dass sich der Gemeine Holzbock in kühlere Regionen in Nordeuropa ausbreitet.4 Nicht zuletzt verlängert sich die Zeckensaison, da Nymphen immer mehr Wintermonate überstehen.2

Immer öfter auch in Deutschland: tropische Parasiten

Experten warnen auch vor Schädlingen, die nicht in Deutschland heimisch sind. Sie gelangen z. B. über Zugvögel zu uns. Oder sie wandern allein – wie manche Stechmücken2 – immer ein kleines Stückchen weiter nach Norden. Dabei folgen sie den steigenden Temperaturen und nisten sich überall dort ein, wo es Klima und Umwelt zulassen. Das Problem: wenn sich die Überträger verbreiten, steigt auch das Risiko, dass Krankheitserreger in Erscheinung treten, die diese Parasiten in sich tragen. Deshalb rechnen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit steigenden Infektionszahlen, wenn sich das Klima weiter erwärmt.7

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Wenn es krabbelt, surrt und kriecht

Neben in Deutschland heimischen Zecken wie dem Holzbock (Ixodes ricinus), der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) oder der Igelzecke (Ixodes hexagonus) werden auch neue Zeckenarten entdeckt: Die tropische Hyalomma-Zecke wird vermutlich über Zugvögel eingeschleppt und hat offenbar bereits stabile Populationen in Deutschland gegründet.8

Die tropische Hyalomma-Zecke

Auch viele Stechmücken bevorzugen es warm. Das Problem: Die fliegenden Insekten tragen Erreger in sich, die beim Stich auf den Wirt übergehen können. Dazu gehören zum Beispiel Leishmanien oder Herzwürmer, die bei Hunden zu schweren Erkrankungen führen können. Diese Erreger kommen insbesondere im Mittelmeerraum vor und sollten vor allem bei Reisen mit Hunden berücksichtigt werden.

Mögen es warm: Tigermücken

Der Orientalische Augenwurm (Thelazia callipaeda) wird durch Fruchtfliegen übertragen, die sich von Tränenflüssigkeit ernähren. Er befällt die Augen von Tieren und kann zu Entzündungen von Bindehaut und Hornhaut führen. Auch der Augenwurm ist in Europa angekommen – zum Beispiel in südeuropäischen Ländern wie Spanien5, Portugal oder Frankreich. Doch auch in Deutschland scheint es erste Infektionen bei Hunden zu geben.6

Der Orientalische Augenwurm (Thelazia callipaeda).
Bildmontage: Der Orientalische Augenwurm (Thelazia callipaeda) im Auge eines Hundes.

Sommer, Sonnenschein, Schutzmaßnahmen

In Zukunft könnten sich immer mehr Parasiten bei uns ansiedeln und vermehren. Viele Schädlinge profitieren von steigenden Temperaturen, wie sie die Klimamodelle für Deutschland voraussagen. Und das ist kein Problem der nächsten Jahrzehnte, sondern bereits jetzt aktuell.

Deshalb ist ein Schutz vor äußeren und inneren Parasiten wichtig. Bei Hunden können monatlich verabreichte Kombipräparate gleichzeitig mit den wichtigsten Zeckenarten auch Flöhe, Milben und Würmer behandeln. Für Katzen gibt es breit aufgestellte Spot-On-Behandlungen, die gegen verschiedene Ektoparasiten sowie Rund- und Bandwürmer in einer Behandlung wirksam sind. In jedem Fall ist das Tierarztteam der richtige Ansprechpartner für eine individuelle Parasitenbehandlung Ihres Tieres.

Quellen:

  1. Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) (2014): Klimawandel verstärkt Verbreitung von Parasiten. URL: https://www.fau.de/2014/12/news/wissenschaft/klimawandel-verstaerkt-verbreitung-von-parasiten/
  2. National Geographic (2017): Durch den Klimawandel breiten sich tropische Krankheiten in Richtung Arktis aus. URL: https://www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2017/06/durch-den-klimawandel-breiten-sich-tropische-krankheiten-richtung-arktis-aus
  3. Curtis A. Deutsch, Joshua J. Tewksbury et al. (2018): Increase in crop losses to insect pests in a warming climate. URL: https://science.sciencemag.org/content/361/6405/916
  4. Süss, J. (2008): Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – Zunahme der Inzidenz in Europa und der Klimawandel. In: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, S. 224-228.
  5. Valentina MarinoRosa Gálvez et al (2020): Spain as a Dispersion Model for Thelazia Callipaeda Eyeworm in Dogs in Europe. In: Preventive veterinary medicine 175, URL: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31935667/
  6. Magins et al., Local transmission of the eye worm Thelazia callipaeda in southern Germany. Parasitol Res (2010) 106:715–717
  7. Eis, D., Helm, D. et al. (2010): Klimawandel und Gesundheit – Ein Sachstandsbericht. Hrsg.: Robert Koch-Institut, Berlin, S. 203-218, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Gesund/Umwelteinfluesse/Klimawandel/Klimawandel-Gesundheit-Sachstandsbericht.pdf?__blob=publicationFile
  8. Universität Hohenheim (2019): Tropische Zecke:
    Erster Verdachtsfall auf Fleckfieber-Übertragung in Deutschland. https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews%5btt_news%5d=44374&cHash=9ae742b2a53c8a4fde9cd4932ae1cdd2